Showing posts with label German. Show all posts
Showing posts with label German. Show all posts

13/09/2009

Witzig, witzig

On rare occasions, there's a German post on this blog. This is one of those rare occasions, because the post's object is a German language talk that I attended. Sorry about that.

Vor ein paar Tagen habe ich im Rahmen einer Flying Science Reihe einen ausgezeichneten Vortrag von Jochen Hörisch mit dem Titel Witzig, witzig - was ist lustig? gehört. Meine Aufnahme des Vortrags ist - mit Placet des Referenten - hier verfügbar. Die Kernthese des Vortrags hat mich schockiert: Das einzige, worüber man heute nicht lachen dürfe, sei die Religion. Begründet wurde diese Feststellung mit den möglichen Folgen solcher Witze - dänische Karikaturen usw lassen grüssen.

Meiner Meinung nach ist diese These falsch auf so vielen Ebenen, dass ich ohne umfangreiche Abhandlung nicht darauf eingehen kann. Nur soviel: allein die Fixierung auf die Religion ist viel zu allgemein, da sich nur monotheistische Religionen so ernst nehmen, dass sie Humor nicht zulassen. Den Göttern sei Dank kann ich mir eine detaillierte Kritik aber ersparen, weil der Referent selbst seine These in derart vielfältiger Weise köstlich gebrochen hat, dass er sie offensichtlich selbst nicht Ernst nimmt. Ein wahres Lehrstück der Selbstironie und echtes Vergnügen also - nur schade, dass nach dem (kurzen) Referat keine Diskussion zugelassen worden ist.

18/07/2008

Email in Schönenbuch

Die Weltwoche ist zwar auch nicht mehr, was sie mal war (daher ist sie jetzt auch abbestellt), aber wenn sie schon die Gastrokritik eines der beiden Restaurants meines Wohnorts bringt, muss sie zitiert werden: "Email hat hier drin noch nichts mit elektronischer Post zu tun, sondern ist ein Schmelzüberzug, mit dem man vor Urzeiten Reklameschilder verzierte". Gute Idee - lies selbst.

06/04/2008

Homer

Homer singt Tod und Klingen, zaubert Hexameter durch die Jahrtausende, sechs Hebungen pro Vers, über jede rumpelt der tote Körper Hektors, den Achill in seinem Zorn vor den Mauern Trojas herumschleift. Wie Blitze zucken altgriechische Grosssbuchstaben am Himmel über den Helden, OΔYΣΣEYΣ bohrt sich als zischheisser Pfahl ins Auge des Riesen Polyphem. Pfähle, Lanzen und steil ragende Phalli - und jetzt also soll Homer ein Eunuch gewesen sein?
Ein literarisches Fundstück besonderer Güte aus Stefan Zweifels gelungener Kolumne zur Sonderausstellung Homer, die ich ganz bestimmt besuchen werde. Schliesslich: Honi soit qui jaune y pense.

15/01/2007

Pappenheimers Propaganda

Ein Gespräch mit bedrohten Wörtern

In den stillen Winkel eines antiquierten Buches hatten sich Pappenheimer und Pfennigfuchser verdrückt, als ich sie zuletzt traf. Gleich beim ersten Lesen machten sie einen niedergeschlagenen Eindruck; gaben ihre Depression auch sofort zu. «Traun!», riefen sie unisono, und da ich verständnislos guckte, schob Pappenheimer vorsorglich eine Übersetzung nach: «Fürwahr!» Meinen Kommentar, auch diese Wortwahl töne ziemlich altertümlich, quittierte er mit einem Seufzer. Er wies hinüber in die Abteilung G, wo die Kollegen Grisette, Galan und Gendarm aschgrau auf dem Boden hockten. Irgendwie angestaubt sahen sie aus. «Das ist ja unser Problem», meinte Pappenheimer. Kaum jemand benutze sie noch. Zwar seien sie viel distinguierter im Munde zu führen als die neudeutschen Äquivalente, doch dürfe man sich nichts vormachen: Sprachsoziologisch betrachtet, seien sie schlimmer dran als das abgehängte Prekariat. Ein Dasein ohne Perspektive. Wiederbelebung ausgeschlossen.

Mein aufmunternder Hinweis auf die jüngste Initiative des Sprachdenkmalpflegers Bodo Mrozek verfing nicht. Seit Mrozek in zwei Bänden sein «Lexikon der bedrohten Wörter» vorgelegt habe, fühle er sich wie endgültig eingesargt, knurrte Pappenheimer. Und dann noch dieser öffentliche Wettbewerb im Internet, bei welchem bis Ende Februar jeder hergelaufene Naseweis einen unmassgeblichen Vorschlag für ein bedrohtes Lieblingswort einreichen könne. Ihm sei ganz blümerant zumute, wenn er sich auf jener Liste stehen sehe, eingezwängt zwischen Pantoffelheld und Pappenstiel, und im weiteren Umfeld gesäumt von ephemeren Szene-Ausdrücken wie «Pogo» und «Popper», die doch, mit Verlaub, in eine ganz andere Liga gehörten. Einen Redaktor der «Süddeutschen Zeitung» habe er kürzlich auf diese Missverhältnisse hingewiesen, fuhr Pappenheimer, ein Grinsen unterdrückend, fort, und dieser sei denn auch entschieden kritisch mit der Website www.bedrohte-Woerter.de ins Gericht gegangen, habe die Betreiber ob ihrer Taubheit für Nuancen gerüffelt und Falschmeldungen wie das zwar in seiner Bedeutung veränderte, aber gewiss nicht gefährdete Allerweltswort «geil» angeprangert.

Ob er derlei nun auch von mir verlange, wollte ich wissen. Pappenheimer blickte verschmitzt. Die NZZ gelte doch als gebildetes Blatt, meinte er mit einer Wendung ins Vertrauliche. Was ein Ceterum censeo sei, wisse ich dann ja wohl. Sollte mir wirklich daran gelegen sein, ihn nachhaltig aufzumuntern, dann müsse ich eben künftig im Feuilleton den Cato geben. Nein, nicht um zur Vernichtung der Neologismen aufzurufen, welche heuer die alten Wörter von ihren Plätzen verdrängten. Das sei völlig zwecklos, denn die Wörter änderten sich ja auch deswegen, weil sich die Welt verändere. Andere Dinge, andere Namen. Aber jemanden wie ihn gebe es immer. Wenn ich nun jeden meiner Artikel mit dem Ausruf «Ich kenne meine Pappenheimer!» beschlösse, sei das für mich völlig ungefährlich, für ihn aber eine grosse Hilfe. Er sah mich drängend an. Ich schlug das Buch eilig zu.

Joachim Güntner in der NZZ.

20/07/2004

Redefiguren

Manchmal muss man wieder den Brockhaus aufschlagen, um sich an den Rhetorik-Unterricht zu erinnern. Hier eine Auswahl von Redefiguren:

Pleonasmus: überflüssige Häufung sinnverwandter Wörter (z.B. weisser Schimmel)
Tautologie: synonyme Wortwiederholung (hegen & pflegen)
Katachrese: uneigentlicher und fehlerhafter Gebrauch sprachl. Bilder (spitzer Schrei)
Anakoluth: Satzbruch durch Veränderung der Konstruktion (wenn ich bedenke, wie man wenig ist, und was man ist, das blieb man andern schuldig)
Metapher: bildlicher Ausdruck aufgrund von Aehnlichkeitsbeziehungen (das Gold ihrer Haare), u.a. als Personifikation (stählerne Arme für Kran) und Synästhesie, die Umschreibung aus dem Reich der Sinnesempfindungen (schreiende Farben)
Metonymie: bildlicher Ausdruck aufgrund von Berührungsbeziehungen (der Homer für die Werke des Homer) u.a. Synekdoche, die Vertauschung der Beziehungen zw. Teil und Ganzem, wobei oft ein Teil für das Ganze steht, Pars pro toto (eigener Herd für eigener Haushalt)
Periphrase, Paraphrase: Umschreibung durch charakterisierende Eigenschaften (Athen des Nordens für Edinburg)
Epitheton ornans: Attribut als schmückendes Beiwort (der listenreiche Odysseus)
Epizeuxis: ein- bis mehrfache, nebengeordnete wörtl. Wiederholung (er kramt und kramt)
Anapher: wörtl. Wiederholung an der Spitze mehrerer unmittelbar aufeinander folgender Sätze oder Satzteile (Geld war sein Streben, Geld war sein einziger Gedanke); Gegensatz Epipher
Paronomasie: Wiederholung desselben Wortstammes in anderer syntakt. Funktion (betrogene Betrüger)
Parallelismus: wiederholter Satzbau (sich predigen Verzicht und nehmen sich doch alles; sie predigen Wasser und trinken Wein)
Oxymoron: Kombination von sich logisch ausschliessenden Begriffen (helldunkel)
Antimetabole: paralleler Satzbau und chiastische Wortanordnung (entweder ihr wollt, aber ihr könnt nicht - oder ihr könnt, aber ihr wollt nicht)
Asyntedon: Unverbundene Aufzählung (er kam, sah, siegte)
Polysyntedon: Verknüpfung durch dieselbe, wiederkehrende Konjunktion (und es wallet und siedet und brauset und zischt)

Wieder einmal bedaure ich, kein Griechisch gelernt zu haben - diese Ausdrücke haben einen ganz eigentümlichen Klang. Uebrigens bin ich gespannt, wieviel Suchverkehr nach Katachrese auf meine Site geleitet wird ... ;-)